31.03.2025 von Christian Meister
Schwarzkümmelöl
Gold der Pharaonen
Schwarzkümmelöl erlebt aktuell einen Boom, wurde jedoch bereits um 1550 v. Chr. in Ägypten genutzt und als «Gold der Pharaonen» bezeichnet. Die Samen und das Öl dienten nicht nur als Gewürz, sondern auch als Heilmittel und Kosmetikum.
Auch die Bibel erwähnt Schwarzkümmel unter dem Namen «Ketzah». Traditionell werden die Samen auf Fladenbrot gestreut – eine Praxis, die bis heute in der arabischen Küche verbreitet ist. In der Antike wurde Schwarzkümmel gegen Verdauungsprobleme und Atembeschwerden eingesetzt. Der Prophet Mohammed empfahl ihn als Heilmittel, und im Mittelalter gelangte er über Klöster nach Mitteleuropa, geriet jedoch zunehmend in Vergessenheit.
Schwarzkümmel (Nigella sativa) ist ein einjähriges Kraut mit bläulichen Blüten und 5–5,5 mm langen Samen. Ursprünglich in Süd- und Südwestasien beheimatet, wird er heute im Mittelmeerraum und bei uns kultiviert. Hochwertige Samen stammen meist aus Ägypten, da Luft, Licht und Wärme den Wirkstoffgehalt beeinflussen. Sie enthalten bis zu 2,5 % ätherisches Öl mit Thymoquinon, ρ-Cymen und α-Thujen sowie Karotine, mehrfach ungesättigte Fettsäuren, Tocotrienole, Phenole, Sterole, Alkaloide und Saponine. Zudem sind Spurenelemente wie Zink, Chrom und Selen sowie die Vitamine B1, B6, Niacin und Folsäure enthalten.
Für Qualität und Wirkung sind Anbau und Verarbeitung entscheidend. Hochwertige Öle oder Samen sollten licht- und wärmegeschützt gelagert werden, idealerweise in Miron-Glasflaschen. Alternativ gibt es Kapseln für eine geschmacksneutrale Einnahme. Neben der klassischen inneren Anwendung gibt es kosmetische Einsatzmöglichkeiten, etwa bei Akne oder als Seife. Wasserauszüge sind weniger empfehlenswert, da viele Wirkstoffe nicht wasserlöslich sind – ganze Samen oder Öl sind die bessere Wahl.
Zahlreiche Studien belegen die vielseitige Wirksamkeit von Schwarzkümmel. Während er früher hauptsächlich zur Pollenallergieprophylaxe bekannt war, zeigen aktuelle Untersuchungen ein breiteres Anwendungsspektrum. Besonders gut erforscht ist seine Wirkung bei Wohlstandserkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und erhöhten Cholesterinwerten. Studien belegen eine Senkung des Nüchtern-Blutzuckers, des HbA1c-Werts sowie der Blutfettwerte. Eine leichte blutdrucksenkende Wirkung wurde nach achtwöchiger Einnahme in zehn Studien mit 860 Personen nachgewiesen.
Der im Schwarzkümmel enthaltene Wirkstoff Thymoquinon wirkt entzündungshemmend, antioxidativ und zellschützend, insbesondere auf die Leber. Versuche zeigen zudem eine schmerzlindernde Wirkung, die zwar schwächer als Diclofenac, aber langanhaltender ist. Mehrere Studien belegen eine Verbesserung von rheumatoider Arthritis, darunter eine Senkung von Entzündungsmarkern, Gelenkschwellungen und Morgensteifigkeit. Positive Effekte wurden auch bei Hashimoto-Thyreoiditis und Vitiligo beobachtet.
Schwarzkümmel beeinflusst zudem das Immunsystem, indem er die Produktion von Lymphozyten, Monozyten und Killerzellen steigert. Seine antibakterielle Wirkung gegen Salmonellen, Helicobacter pylori und Escherichia coli wurde in Laborversuchen nachgewiesen. Studien an Tieren zeigen eine entzündungshemmende Wirkung bei Stirn- und Ohrenentzündungen.
Bereits in der Antike wurde Schwarzkümmel gegen Parasiten und Lungenbeschwerden eingesetzt. Studien an Tieren belegen eine schützende Wirkung auf das Lungengewebe, während beim Menschen eine Linderung von Asthma nachgewiesen wurde. Auch ein positiver Einfluss auf Nieren, Magenschleimhaut, Gastritis und Reizmagen konnte belegt werden. Zudem zeigen Versuche Anti-Aging-Effekte sowie eine Leistungssteigerung durch erhöhte Sauerstoffsättigung und reduzierte Laktatkonzentration im Blut.
Schwarzkümmelöl erhöhte in zwei Studien mit Menschen den GABA-Spiegel im Gehirn, was eine angstlösende und antidepressive Wirkung erklären könnte. Zudem wurde eine kognitive Leistungssteigerung bei jungen und älteren Probanden festgestellt. In zwei weiteren Studien zeigte Schwarzkümmelöl einen positiven Einfluss auf den Östrogenspiegel und förderte die Milchproduktion. Bei Hauterkrankungen wurden antiekzematöse, antipsoriatische und Akne-lindernde Effekte beobachtet – jedoch gibt es keine Studien zu Neurodermitis.
Plazebokontrollierte Studien belegen, dass Schwarzkümmelöl Heuschnupfen und Allergien lindern kann. Nach 6–8 Wochen Einnahme von 3 g täglich verbesserten sich die Symptome bei 75 % der Probanden, während die IgE-Konzentration im Blut sank.
Dosierung & Verträglichkeit:
Empfohlen wird eine tägliche Einnahme von 2–3 g Schwarzkümmelöl oder -samen über mindestens 3 Monate, optimal 6 Monate. Erste Effekte treten nach etwa 4 Wochen auf. Übelkeit kann bei nüchterner Einnahme auftreten – dann besser nach dem Essen einnehmen.
Schwarzkümmelöl gilt als gut verträglich. Gelegentlich wurden Juckreiz oder allergische Reaktionen beobachtet. Es kann die Leberenzymaktivität beeinflussen und das Eindringen anderer Stoffe in die Haut fördern – daher nicht mit Bodylotions oder ähnlichen Produkten kombinieren.